Verklebte Faszien – verklebte Gefühle?

Sind verklebte Faszien gleich verklebte Gefühle?

Kopfschmerzen – wer kennt sie nicht?

Dieses dumpfe Pochen, das sich wie ein Presslufthammer hinter der Stirn bemerkbar macht. Oder der ziehende Schmerz im Nacken, der langsam hochkriecht, bis er im Kopf explodiert. Ursachen? Sie sind so vielfältig wie der Inhalt einer Handtasche: Stress, Bewegungsmangel, hormonelle Schwankungen, Verspannungen oder auch mal ein Glas Wein zu viel am Vorabend.

Konventionell geht man oft mit Tabletten dagegen vor. Zack, Schmerz weg – oder zumindest für den Moment leiser gestellt. Aber wie ein schlecht geklebtes Pflaster über einer offenen Wunde löst das selten das eigentliche Problem. Der Schmerz klopft irgendwann wieder an. Und manchmal noch lauter.

Was, wenn Kopfschmerzen nicht nur eine körperliche, sondern auch eine emotionale Botschaft tragen? Was, wenn dein Körper dir über Schmerzen erzählt, dass er längst mehr Ballast trägt, als er tragen kann?

Verklebte Faszien – verklebte Gefühle?

Stell dir dein Bindegewebe wie einen Wollpulli vor.
Deinen absoluten Lieblingspulli. Flauschig. Gemütlich. Ein Stück Geborgenheit zum Anziehen. Jetzt landet dieser Pulli aus Versehen in der 60-Grad-Wäsche. Ergebnis: verzogen, hart, steif. Nichts passt mehr. Alles eng.


So ähnlich fühlt es sich an, wenn Faszien verkleben.
Zu wenig Bewegung. Zu viel Sitzen. Zu viel Festhalten – körperlich wie emotional. Denn nicht nur Muskeln speichern Spannung. Auch Faszien erinnern sich. An Tränen, die nicht geweint wurden. An Wut, die keinen Raum bekam. An Ohnmacht, die unterdrückt wurde.


Das Ergebnis? Ein Körper, der innerlich eng wird. Der Rücken schmerzt, der Nacken knirscht, der Kopf dröhnt. Und du fragst dich: Wo kommt das plötzlich her?

Wissenschaft trifft Gefühl

Die Forschung ist sich inzwischen einig: Faszien sind nicht einfach nur Verpackung. Sie sind ein hochsensibles Sinnesorgan. Sie enthalten ein Vielfaches mehr sensorische Nervenenden als Muskeln. Und diese Nervenenden reagieren auf alles – Druck, Spannung, chemische Reize und, ja, auch auf Stress.


Chronischer Stress setzt Hormone frei, vor allem Cortisol. Und Cortisol verändert die Wasserbindung im Gewebe. Stell dir vor, dein Bindegewebe trocknet innerlich aus wie eine Zimmerpflanze, die seit Tagen niemand mehr gegossen hat. Es wird spröde, weniger elastisch und anfälliger für Schmerz.


Dazu kommt die emotionale Komponente. Unterdrückte Gefühle sorgen für eine unbewusste Grundspannung in Muskulatur und Faszien. So erklärt sich, warum Menschen, die dauerhaft „funktionieren“ müssen, irgendwann mit chronischen Verspannungen, Nackenschmerzen oder Spannungskopfschmerzen kämpfen.

Prävention statt Pflaster

Die gute Nachricht: Faszien sind trainierbar. Und Gefühle sind bewegbar.
Bewegung – und zwar sanfte, bewusste Bewegung – bringt wieder Fluss ins Gewebe. Stell dir vor, du drückst den „Refresh“-Button in deinem Körper. Faszienrollen, Dehnungen oder kleine Alltagsbewegungen können schon viel bewirken.


Aber noch wichtiger: Auch deine Emotionen wollen bewegt werden. Gefühle, die feststecken, sind wie Staubflusen unterm Sofa – irgendwann kommen sie hervor. Achtsames Atmen, Körperwahrnehmung oder ein sanftes Spüren helfen, wieder Weite in den Körper zu bringen.

Eine kleine Übung für dich

Leg dich doch mal für fünf Minuten auf eine Faszienrolle oder auf zwei Tennisbälle, die du in eine Socke gesteckt hast. Atme tief. Spüre, wie Druck entsteht. Und dann stell dir vor, du rollst nicht nur körperliche Verspannungen aus – sondern auch Gefühle, die du zu lange festgehalten hast.


Wie warmes Wasser, das über einen eingelaufenen Pulli fließt und ihn wieder weich macht. Mit jedem Atemzug kann sich etwas lösen: ein kleines Seufzen, ein Stück Weite, ein Hauch von Lebendigkeit.

Psychosomatik & Nachhaltigkeit

In der psychosomatischen Forschung und Körperpsychotherapie zeigt sich immer klarer: Gespräche allein reichen oft nicht. Der Körper muss mitgenommen werden. Denn Gefühle sind nicht nur Gedanken im Kopf – sie sind im Gewebe gespeichert.

Wer Kopfschmerzen nachhaltig vorbeugen will, darf deshalb zwei Dinge verbinden:

  1. Bewegung, die die Faszien geschmeidig hält.
  2. Einen gesunden Umgang mit Emotionen, die sich sonst wie Kleber im Gewebe festsetzen.

So wird Prävention nicht zu einer lästigen Pflicht, sondern zu einem sanften Reset. Kein „Du musst noch mehr leisten“, sondern ein „Du darfst dir Raum nehmen“.

Humor am Rande

Wenn man es genau nimmt, ist der Körper manchmal wie eine schlecht organisierte WG. Einer (dein Kopf) schreit ständig, dass es zu laut ist. Der andere (dein Rücken) schleppt alles allein und murrt vor sich hin. Und die Faszien? Sie kleben wie Kaugummi unter dem Küchentisch – keiner weiß genau, wie sie da hingekommen sind, aber alle stören sich dran.

Die Lösung? Einmal durchlüften, Musik aufdrehen, gemeinsam in Bewegung kommen. Und plötzlich fühlt sich die WG wieder bewohnbar an.

Fazit

Kopfschmerzen sind mehr als nur ein Nervreiz im Kopf. Sie sind oft Botschaften deines Körpers, dass etwas ins Stocken geraten ist – Bewegung, Gefühle, Selbstfürsorge. Medikamente können kurzfristig helfen, doch sie sind selten eine nachhaltige Lösung.

Wenn du lernst, dein Bindegewebe geschmeidig zu halten und deine Gefühle fließen zu lassen, kannst du dir ein Stück Freiheit zurückholen. Und genau darum geht es bei der Frage: 𝗩𝗲𝗿𝗸𝗹𝗲𝗯𝘁𝗲𝗙𝗮𝘀𝘇𝗶𝗲𝗻 – verklebte Gefühle?

Denn manchmal braucht es keinen neuen Pulli, sondern einfach ein bisschen warmes Wasser, Geduld – und die Erlaubnis, wieder weich zu werden.

Dein Körper erinnert sich. Aber er sehnt sich auch nach Leichtigkeit. Fang klein an – und schenk dir den Raum, den du verdienst.

Cornelia Brucks

Cornelia Brucks

Physiotherapeutin, Heilpraktikerin, Mentorin für ein kopfschmerzfreies Leben, Coach & Buchautorin

Mit meinem Team unterstütze ich Menschen dabei, schmerzfreier und beweglicher zu werden, um ihre Lebensqualität und -freude zurückzugewinnen.

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